In den vergangenen Jahrzehnten hat die Technologiewelt eine bemerkenswerte Entwicklung erlebt. Microsoft – einst das Paradebeispiel für proprietäre Software und bekannt für seine ablehnende Haltung gegenüber Linux – hat einen grundlegenden Kurswechsel vollzogen. Von einer Ära der „Linuxphobie“ hin zu einer offenen Unterstützung von Open-Source-Technologien und der Förderung von FOSS (Free and Open Source Software) hat Microsoft sein Verhältnis zur weltweiten Tech-Community neu definiert.
Dieser Artikel beleuchtet diese Entwicklung und zeigt, welche Rolle sie im heutigen Cloud-Zeitalter spielt – insbesondere in Diskussionen wie Linux vs. Windows für cloudbasierte Serverinfrastrukturen, die zunehmend an Bedeutung gewonnen haben.
Der Aufstieg des Microsoft-Windows-Betriebssystems
Microsofts Geschichte begann 1981, als Bill Gates und sein Team MS-DOS entwickelten – das Fundament, auf dem Windows später aufbaute. Zielgruppe waren vor allem die damals neu aufkommenden Intel-basierten Personal Computer. Mit der Veröffentlichung von Windows 3.0 im Jahr 1990 läutete Microsoft eine neue Ära grafischer Benutzeroberflächen ein und gewann schnell an Popularität unter privaten Anwendern. Obwohl Apple mit dem Macintosh ursprünglich Vorreiter intuitiver GUI-Systeme war, setzte sich Windows rasch als dominierendes Betriebssystem auf Intel-Rechnern durch.
Parallel dazu startete der finnische Student Linus Torvalds 1991 das Linux-Projekt. Was als Experiment begann, entwickelte sich bald zum einflussreichsten Open-Source-Betriebssystem der Welt. Mit dem Ziel, eine freie und offene Alternative zu kommerziellen Systemen wie Unix zu schaffen, gewann Linux dank seines kollaborativen Entwicklungsmodells stetig an Zuspruch in der Entwickler-Community.
1995 veröffentlichte Microsoft Windows 95 – ein Meilenstein mit Plug-and-Play-Funktionalität und der Integration des Internet Explorers. Trotz einiger interner Schwächen setzte Windows 95 neue Maßstäbe in der Benutzerfreundlichkeit und ebnete Microsoft den Weg zum meistgenutzten Betriebssystem für private Anwender. Mit Windows NT, Windows 2000 und später Windows XP etablierte sich Microsoft auch fest im professionellen Umfeld, insbesondere durch den erfolgreichen „Active Directory“-Dienst.
Gleichzeitig gewann Linux in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren deutlich an Bedeutung – vor allem im Serverbereich, wo Stabilität und Kosteneffizienz entscheidend waren. Die Linux-Distribution Red Hat wurde zum wichtigsten System für geschäftliche Anwendungen, während Apple mit macOS auf eine Unix-basierte Architektur setzte und damit den Einfluss offener Standards weiter stärkte.
Microsofts Reaktion: Der Kampf gegen die Linux-Bedrohung
Viele Jahre lang hielt Microsoft konsequent an seiner Windows-zentrierten Strategie fest und betrachtete Linux nicht als Partner, sondern als Gefahr. Die wachsende Verbreitung von Open-Source-Infrastrukturen stellte eine ernsthafte Bedrohung für Microsofts proprietäre Geschäftsmodelle dar. Das Unternehmen startete Kampagnen, in denen Linux als „instabil“ oder „unsicher“ dargestellt wurde. Auf dem Höhepunkt seiner Marktdominanz sah Microsoft keinen Mehrwert in offenen Softwaremodellen.
Doch mit dem Aufkommen des Cloud Computing veränderte sich das Bild dramatisch. Unternehmen begannen, die Entscheidung Linux vs. Windows für cloudbasierte Serverinfrastrukturen neu zu bewerten. Linux bot klare Vorteile: bessere Skalierbarkeit, hohe Sicherheit, niedrigere Kosten und flexible Integrationsmöglichkeiten. Mit wachsender Cloud-Nutzung wurde Linux sogar zum faktischen Standard für große Serverlandschaften.
Microsofts Serverprodukte gerieten zunehmend unter Druck – insbesondere aufgrund von Lizenzkosten, Sicherheitsbedenken und begrenzter Flexibilität. Das Unternehmen erkannte, dass ein Ignorieren von Open-Source-Technologien seine Zukunft im schnell wandelnden IT-Markt gefährden könnte.
Microsofts Reaktion: Der Kampf gegen die Linux-Bedrohung
Mitte der 2000er-Jahre wurde Microsofts strategischer Wandel hin zu Open Source deutlich sichtbar. Die zunehmende Verbreitung von Cloud-Technologien, steigende Kundenanforderungen an Interoperabilität und die wachsende Dominanz von Linux im Serverumfeld zwangen Microsoft dazu, seine bisherige Haltung grundlegend zu überdenken.
2007 veröffentlichte Microsoft mit CodePlex sein erstes Open-Source-Projekt – ein symbolischer, aber wichtiger Schritt. Während Cloud Computing immer stärker wurde, etablierte sich Linux als führende Plattform für virtualisierte Workloads, Containerumgebungen und skalierbare Serverinfrastrukturen.
Der Strategiewechsel beruhte auf mehreren Faktoren:
Kundenbedarf:
Unternehmen migrieren zunehmend in Cloud- und Hybridumgebungen. Microsoft musste flexiblere Lösungen anbieten, um diese vielfältigen Anforderungen zu erfüllen.
Innovation und Zusammenarbeit:
Durch die Unterstützung offener Technologien wie Linux kann Microsoft auf eine globale Entwickler-Community zugreifen und Fortschritte in Bereichen wie Cloud Computing, KI und Cybersicherheit vorantreiben.
Reduzierung von Fragmentierung:
Mit nativer Unterstützung verbreiteter Linux-Distributionen können Microsofts Produkte besser in bestehende Infrastrukturen integriert werden.
Im Zuge dessen traf Microsoft mehrere entscheidende Open-Source-Entscheidungen:
Native Linux-Unterstützung in Azure (2015)
Microsoft kündigte 2015 die native Unterstützung von Linux auf Azure an – ein klares Zeichen dafür, dass viele Cloud-Workloads auf Linux effizienter laufen. Dieser Schritt veränderte die Debatte Linux vs. Windows für cloudbasierte Serverinfrastrukturen maßgeblich und förderte echte Interoperabilität. [1]
Übernahme von GitHub (2018)
Mit dem Kauf von GitHub – der größten Open-Source-Plattform der Welt – festigte Microsoft sein Engagement für offene Software und überraschte viele Kritiker. [2]
Windows Subsystem for Linux (WSL)
Durch WSL können Entwickler Linux-Tools nativ unter Windows ausführen. Das System verknüpft beide Ökosysteme und stärkt Microsofts Cross-Plattform-Strategie.
Der Microsoft FOSS Fund
Der FOSS-Fonds fördert Open-Source-Projekte, die Microsofts strategische Ziele unterstützen. Er stärkt Innovation, Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung wichtiger Technologien. [3]
Weitere Informationen: https://github.com/microsoft/foss-fund
Die Prinzipien von FOSS: Zusammenarbeit und Offenheit
Heute gehört Microsoft zu den größten Unterstützern von Open-Source-Projekten weltweit. Durch Investitionen, Community-Engagement und Interoperabilität treibt das Unternehmen offene Innovation voran.
Der FOSS-Fund trägt dazu bei:
• Open-Source-Entwicklung gezielt zu beschleunigen
• weltweite Zusammenarbeit zu stärken
• den Zugang zu leistungsfähigen Open-Source-Werkzeugen zu verbessern
• die Lücke zwischen Unternehmensanforderungen und Community-Beiträgen zu schließen
Dieser Kurswechsel zeigt deutlich: Nachhaltige technologische Entwicklung entsteht durch Offenheit, nicht durch Abschottung.
becon GmbH: Der Weg in Richtung Open Source
Ähnlich wie Microsoft hat auch die becon GmbH einen tiefgreifenden Wandel vollzogen. Ursprünglich lag der Schwerpunkt auf Windows-basierten Systemen, MSI-Packaging und Client-Software-Management. Doch schon ab 2016 begann unsere Open-Source-Initiative mit Beratung, Support und Weiterentwicklung rund um Open-Source-Produkte bekannter Hersteller. Mit dem Aufstieg von Cloud-Technologien wuchs zudem der Bedarf an offenen, flexiblen und cloudnativen Lösungen.
Die Antwort: eigene Open-Source-Projekte, die moderne Unternehmensanforderungen erfüllen.
OpenCelium
OpenCelium, gelaunched im Jahr 2018, ist eine Open-Source API Integration Platform. In vielen IT-Umgebungen laufen parallel Monitoring-Systeme (z. B. Zabbix, Checkmk), Ticketing-Lösungen (KIX, Jira), CMDBs (DataGerry, i-doit), IAM-Systeme (Keycloak, AD), Cloud-Plattformen und Security-Tools. Jedes dieser Systeme liefert wertvolle Informationen – doch ohne saubere Integration entstehen Dateninseln, Doppelpflege und Medienbrüche.
OpenCelium verbindet diese Systeme per API ohne Programmieraufwand. In einer Drag-&-Drop-Oberfläche modellieren Sie Workflows, synchronisieren Objekte, reichern Daten an oder stoßen Tickets und Aktionen automatisiert an. So entsteht ein zentraler Daten- und Prozesshub. www.opencelium.io
DataGerry
DataGerry, ursprünglich von der NETHINKS entwickelt und Anfang 2023 von der becon GmbH übernommen, ist eine Open-Source CMDB uns Asset Management Tool.
Viele CMDBs scheitern an starren Datenmodellen. DataGerry geht bewusst anders vor: schemalos und modellfrei. Sie definieren selbst, wie Objekte, Attribute und Relationen aussehen sollen – egal ob klassische Server, Cloud-Ressourcen, IoT-Geräte oder Business-Objekte. www.datagerry.com
Beide Lösungen stehen für die Grundwerte der becon GmbH: Transparenz, Community-getriebene Innovation und Anpassungsfähigkeit in einer schnell wachsenden IT-Landschaft.
Fazit
Microsofts Wandlung vom proprietären Softwaregiganten zum aktiven Förderer von Open Source zählt zu den bemerkenswertesten Strategiewechseln in der Technologiegeschichte. Im Zuge der globalen Cloud-Entwicklung hat die Debatte Linux vs. Windows für cloudbasierte Serverinfrastrukturen wesentlich dazu beigetragen, dass Unternehmen wie Microsoft heute auf Interoperabilität und Zusammenarbeit setzen.
Mit Initiativen wie dem FOSS Fund, der GitHub-Integration und der Linux-Unterstützung in Azure hat Microsoft eine zentrale Rolle in der Open-Source-Community eingenommen. Der Wandel zeigt: Innovation entsteht durch Kooperation.
Auch die becon GmbH nutzt Open-Source-Prinzipien, um leistungsstarke, flexible Lösungen zu entwickeln, die den Anforderungen moderner Unternehmen gerecht werden.
Mit zunehmender Cloud-Verbreitung und wachsendem Open-Source-Engagement wird die Zusammenarbeit zwischen Firmen, Entwicklern und Communitys weiterhin entscheidend sein – und die Zukunft der Technologie maßgeblich prägen.
Quellen
[1] „Microsoft Announces Native Support for Linux on Windows Azure“. https://azure.microsoft.com/en-us/blog/microsoft-announces-native-support-for-linux-on-windows-azure
[2] „Microsoft Acquires GitHub in $7.5 Billion Deal“. https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-06-04/microsoft-acquires-github-in-7-5-billion-deal
[3] „Microsoft FOSS Fund: Empowering Open-Source Innovation“. https://www.microsoft.com/en-us/research/project/foss-fund
Summary article „Microsoft’s Linuxphobia: A Retrospective“. https://www.zdnet.com/article/microsoft-linuxphobia-a-retrospective
becon Blog
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